Das Kind aus Prag
Eine autobiografische Erzählung über Identität und Flucht
Das Buch ist eine autobiografische Erzählung, die sich mit den Themen Heimat, Fremde, Identität, Migration und Exil auseinandersetzt. Die Autorin, selbst eine Geflüchtete aus Prag, reflektiert über ihre eigene Lebensgeschichte, die Flucht nach Österreich im Alter von 15 Jahren, die Zeit im Flüchtlingslager und die Suche nach Zugehörigkeit und Freiheit. Das Werk beleuchtet die komplexen Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen, die Auswirkungen von Flucht und Vertreibung sowie die Spannungen zwischen Nationalismus und Menschlichkeit.
Mit fesselnden Briefen an Franz Werfel, Karel Čapek, Vilém Flusser, Jean Améry und persönlichen Erinnerungen beleuchtet sie die Suche nach Zugehörigkeit und Freiheit sowie die komplexen Beziehungen zwischen Menschen und Nationen. Ein Buch, das berührt, zum Nachdenken anregt und die Frage stellt: Wo liegt unser wahrer Ort?
Ein Buch, das aktueller nicht sein könnte.
Softcover, 17 x 24 cm
Jänner 2025
376 Seiten
ISBN 978-3-9505338-5-9
20 €
Eine Frau Anfang vierzig, gebürtige Pragerin, fünfzehnjährig mit den Eltern in Österreich als Flüchtling aufgenommen, erfährt sich nach der plötzlichen, unerwarteten Öffnung und neuen Zugänglichkeit der Heimat (1989/90) als Produkt der starken heimatlichen Prägung und zugleich als Produkt eines langen, massiven Verdrängungszwanges und Assimilationsdranges, um in dem neuen fremden Land zu bestehen.
Eine ungeahnt schmerzhafte Zerrissenheit ist die Folge, das Verdrängte verlangt, wie es seine Art ist, sein Recht mit vervielfachter Intensität, Vulkane fragen nicht um Erlaubnis, bevor sie ausbrechen.
Rezensionen:
Die Autorin schildert – poetisch sehr eindrucksvoll – ihre persönliche Geschichte und verknüpft diese mit den jeweiligen sehr genau beschriebenen historischen Ereignissen. Im Rückgriff auf Vergangenes macht sie Parallelen zur gegenwärtigen Situation deutlich.
Anhand ihrer persönlichen Geschichte erhalten die Themen Heimat, Identität und was es bedeutet, fremd zu sein, einen wesentlichen Platz.
Insgesamt ein sehr gelungenes Werk zum besseren Verständnis des Zusammenspiels politischer Entwicklungen mit individueller Lebensgeschichte in der Tschechoslowakei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Dr. Susanne Loudon
Über die Magie der Sprache: Zeugnis ablegen vom Unterwegssein
Susanne Skacha, gebürtige Pragerin und als Fünfzehnjährige mit den Eltern nach Österreich geflüchtet, erfährt sich 25 Jahre später nach der plötzlichen, unerwarteten Öffnung und neuen Zugänglichkeit des einst kommunistischen Heimatlandes (1989/90) als zerrissen zwischen Trauer um das Verlorene, Verdrängung des Schmerzes und dem Assimilationsdrang, um im neuen Land zu bestehen.
Die Autorin lässt uns hautnah teilhaben an ihrer lebenslangen, buchstäblich leiden-schaftlichen Forschungsreise durch Länder und Zeiten, vor allem aber durch das eigene Ich, das wächst und sich wandelt, immer wieder neu um Verstehen ringt: Wie fühlt es sich wirklich an, dieses Herzstück Heimat verloren zu haben? Und was findet und erschafft sie stattdessen, im Dialog mit vielen unterschiedlichen Menschen und philosophischen Konzepten: »Briefschreiben, die einzig angemessene Form.« (S. 282).
Die Sprache der Autorin rührt und berührt, ihre Schilderungen beleben die Sinne und ihre philosophischen Assoziationen weiten den Blick – ein drängendes und dringliches Buch über Fluchtbewegungen und Selbst-Suche. Wie Perlmutt entsteht aus einer Verletzung durch viele Identitäts-Schichten hindurch etwas Schimmerndes und Vieldeutiges. Die eigene Geschichte schreiben müssen, die eigene Geschichte schreiben dürfen – Susanne Skacha ist eine Meisterin im Zur-Sprache-Bringen von Ambivalenz und Widersprüchen – und wie all die widersprüchlichen Gefühle letztendlich doch ein Ganzes ergeben: einen ganzen Menschen.
Nähe und Distanz – über sich selbst als »diese Frau« zu schreiben ermöglicht Erkenntnisprozesse zwischen dem »wir« und „den anderen“, eigenen und fremden Zungen. Eine besondere Stärke liegt in Skachas behutsamer und unaufhörlicher Differenzierung des Heimatbegriffs und -empfindens, jenseits jeder Idealisierung, Heimattümelei und abschließenden fest verorteten Geborgenheit: »Heimat ein Heim der Leere, immerwährendes Willkomm.« (S.10)
Und schließlich, nach existenzbedrohlicher Krankheit die buddhistische Meditation als Hafen – zen als befreiende Praxis. Das Unterwegssein bleibt.
Bettina Zehetner, Frauen* beraten Frauen*